Reportagen

 

Interview mit Lev Kopelev nach einer Lesung über Cato Bontjes van Beek in Bremen am 14.11.1990

 

? Sie haben so schöne Worte über Cato gefunden und ich glaube, diese Feier soll nicht nur ein Gedenken sein, ich denke, es hat auch einen Aufforderungscharakter, daß wir heute hier waren. Was denken Sie, was kann Cato heute für uns für eine Bedeutung haben, gerade für die jungen Leute in unserer Zeit, in unserem Deutschland?

 

! Sie verkörpert, personifiziert die Eigenschaften, die leider von vielen jungen Menschen nicht erlebt werden: die Menschenliebe, die ungekünstelte, die nicht nur verbale.

 

? Sondern die gelebte?

 

! Ja, die gelebte, die vorgelebte. Und eine Uneigennützigkeit, ein Sich-Auflösen in der Liebe, in der Gemeinschaft, in der Familie, in dem Fischerhude und somit auch in der großen Gemeinschaft des Volkes und der Menschheit.

Denn es ist ja sehr leicht, die Menschheit überhaupt zu lieben, verstehen Sie, und sich dazu zu bekennen, aber solches Verhältnis zur Familie, zu Kameraden, zu Freunden, nicht, und zu seinem Heimatland.

 

...

? Sie meinen, man kann das nicht trennen, die Menschheitsliebe nicht von der Liebe zum einzelnen Menschen.

 

! Es ist sehr leicht, sich zu bekennen zur Menschheit und den Nächsten einfach nicht zu beachten.

 

? Was würden Sie ganz konkret sagen zu den jungen Menschen im Zusammenhang mit diesem Abend?

 

! Diese Briefe von Cato zu lesen, nachzulesen und ein bißchen nachzudenken.

 


 

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