Vorträge

 

Inhalt dieser Seite:

Vortrag zur Einweihung des Gymnasiums Cato Bontjes van Beek

Bernstein als Schicksalsroman

Bernstein als Wirtschaftskrimi

Bernstein als SF-Story

Bernstein als Thriller

Bernstein als Märchenstunde

Bernstein als Comic

 


 

Vortrag zur Einweichung des Gymnasiums Cato Bontjes van Beek

in Achim – Landkreis Verden in Niedersachsen.


Ich habe meiner Biographie über Cato Bontjes van Beek ein Wort des Theologen Martin Niemöller vorangestellt, der wegen seines Widerstandes gegen den Nazi-Terror viele Jahre in Konzentrationslagern verbringen mußte:

 

Als die Nazis die Kommunisten holten

habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,

habe ich geschwiegen; ich war kein Sozialdemokrat.

Als sie die Katholiken holten,

habe ich nicht protestiert; ich war kein Katholik.

Als sie mich holten,

gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

 

                         Martin Niemöller

Cato Bontjes van Beek

 

Sie warf keine Bomben und betrieb keine Sabotage.

Ihre einzige Waffe war das Wort.

Immer wieder wies sie in Flugblättern auf die Unrechtstaten des Nazi-Regimes hin - bis sie verhaftet wurde.

1943 wurde sie hingerichtet.

Sie war 22 Jahre alt.

Heute ist das genau 50 Jahre her.

 

Was bewog Cato Bontjes van Beek, sich als Einzelne gegen die übermächtige Terror-Maschinerie zu stellen?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, bin ich den Stationen ihres Lebens nachgegangen.

 

Da ist die behütete Kindheit in Fischerhude.

Das Heranwachsen in einer künstlerisch tätigen und politisch sehr wachen Familie.

Und da ist die Zeit in Berlin, wo sie für die "Rote Kapelle" arbeitet - bis sie sich entschließt, ihren eigenen Weg zu gehen.

 

Fischerhude -

Hier wird Cato am 14.November 1920 geboren.

Zwar verläßt sie ihr Dorf als Kind und als junges Mädchen immer wieder für längere Zeit.

Um in Holland zur Schule zu gehen.

Um in England als Haustochter zu arbeiten.

Um in Berlin die Handelsschule zu besuchen und dort schließlich eine Lehre in der Keramikwerkstatt ihres Vaters zu beginnen.

 

Immer aber spürt sie die Wurzeln, die sie mit ihrem Dorf Fischerhude verbinden:

So schreibt sie am 17. März 1943 aus dem Gefängnis an ihre Mutter:

"Wie gern hätte ich ein Landschaftsbild von Dir hier in meiner Zelle. Am liebsten den Blick von der Quelkhorner Mühle auf die Moorfelder... Ich glaube eigentlich ganz feste, daß ich all diese schönen Bilder wiedersehen werde und mein geliebtes Fischerhude. Wenn ich früher auf der Landkarte und in Gedanken ganze Reisen unternahm und mich auf einer Farm in den Wäldern Kanadas oder im Busch in Afrika sah und dann daran dachte, daß ich viele, viele Jahre von Fischerhude fort bin, dann überkam mich eine unendliche Traurigkeit und das Heimweh packte mich, als sei alles wahr, was ich mir ausgedacht habe."

 

Und eine Woche später heißt es in einem Brief an ihre Schwester Mietje, die sich gerade in Passau aufhält: "Ich glaube, daß sich auch bei Dir die Sehnsucht nach unserem Fischerhude ins Herz geschlichen hat, denn auch Du warst ja lange fort von dort. Es ist doch toll, wie man trotz der schönsten Gegenden und den liebsten Menschen nicht das Heimweh nach Fischerhude los wird. Und wären wir im Himmel und ritten auf Wolken, den Duft der überschwemmten Wiesen und der Erde würden wir sehr vermissen."

 

Die ländliche Herkunft ist eine der Quellen, ans der Cato ihre Kraft bezieht.

 

Eine andere ist die Familie.

So schreibt sie am 3. November 1942 in ihrem ersten Brief aus der Untersuchungshaft:

"Wie es mir geht? Ach Mama, ich denke eigentlich nie an das, weshalb ich hier bin, sondern nur an Euch. Über den Sinn Familie viel; was das bedeutet, wird mir hier ganz besonders klar. Wie arm ist ein Mensch, der ganz allein in der Welt steht. Ich bin so dankbar, daß ich die Gewißheit habe, Euch alle, alle zu haben. Ich will nicht sentimental werden, aber aus einer Zelle kann ich das doch schreiben."

 

Und am 1. Dezember 1942 schreibt sie an ihre Mutter:

"Du hast mir so viel fürs Leben gegeben, daß ich alles gut überstehe."

 

Was ist das für eine Familie, an der Cato so hängt, und die ihr eine so starke Prägung gegeben hat?

 

Ihre Eltern sind die Tänzerin Olga Bontjes van Beek, die später eine bekannte Malerin wird, und der von holländischen Vorfahren abstammende Jan Bontjes van Beek - Matrose, Tänzer und schließlich einer der ganz Großen nicht nur der deutschen, sondern der europäischen Keramik.

 

Zur Familie gehören außerdem die fünf Schwestern Olgas - allesamt künstlerisch begabt. Sie bringen durch Heiraten weitere Künstler in den Familien-Clan. Wie z.B. Louise, die dritte Frau Otto Modersohns wird.

 

Aber nicht nur die Kunst verbindet die weitläufige Familie, sondern auch die Politik. Eine sehr freiheitliche Gesinnung herrscht hier, eine Tendenz nach links.

Schließlich haben Olga und Jan Bontjes van Beek sich in Worpswede kennengelernt, wo Jan am Aufbau von Heinrich Vogelers "Arbeitsschule Barkenhoff" beteiligt war.

 

Viele Gäste kommen ins Haus, die ähnlich denken. Die Gespräche und Diskussionen werden von Cato und ihren Geschwistern aufmerksam verfolgt.

Und sie tragen mit Sicherheit zu dem idealistischen Weltbild bei, das so prägend für Catos Lebensweg wird.

 

Idealismus war und ist eigentlich immer eine Eigenschaft junger Menschen, die sich dem "normativen Zwang des Faktischen" nicht beugen wollen.

In diesem Sinne ist auch Don Quijote ein junger Mensch.

Oder Abbé Pierre.

Oder Mutter Teresa.

In diesem Sinne gehören alle dazu, die Unrecht nicht einfach hinnehmen - "weil man ja doch nichts ändern kann" -, sondern die sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzen.

 

Cato Bontjes van Beek bezieht ihre Ideale von den Menschen, die sie ungeben: von der Mutter, den Tanten und Onkeln, dem Vater. Und von Pastor Tidow, der dem begabten Mädchen, dem die durch die Dorfschule vermittelten Kenntnisse längst nicht mehr ausreichen, Privatunterricht gibt.

In diesem Unterricht führt er sie ein in Literatur und Religion.

 

In der Literatur sucht Cato so etwas wie einen archimedischen Punkt.

Cato nennt diesen Punkt: die Wahrheit.

 

An ihren Cousin Ulrich Modersohn schreibt sie am 7. August 1940 - nach der Lektüre des Romans "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi:

 

"Er beschreibt den russisch-französischen Krieg von 1802. Es ist so furchtbar grausam alles. Die Welt hat sich nicht viel geändert seither, leider! Kulturen werden gebaut und von neuen Geschlechtern (sie werden von Geschlecht zu Geschlecht immer härter) wieder weggefegt.

Weißt Du, lieber Ulrich, ich suche und suche immer nach der Wahrheit. Es gibt doch nur eine, kann es ja nur geben. Wo ist sie? Ich meine, sie schon oft gefunden zu haben, aber immer wieder muß ich mich abwenden und wieder vor dem Nichts stehen."

 

Bücher sind für Cato lebenswichtig.

Sie braucht sie wie die Luft zum Atmen.

Dies wird besonders deutlich in dem ersten Brief, den sie nach ihrer Verhaftung an ihre Mutter schreibt:

 

"3. November 1942

Ich habe meine Gedanken ganz umgestellt, so daß ich nicht die Zelle zu drückend empfinde. Morgens scheint die Sonne auf mein Bett und jetzt des Nachts auch der Mond. Ich gehe meistens auf und ab und bin froh, daß ich 16 lange Gedichte auswendig weiß, die ich jeden Tag einmal spreche. Daß ich nichts zu lesen habe, ist bitter. Einmal habe ich um Leseerlaubnis gebeten, aber nichts ist darauf erfolgt. Vielleicht versucht Ihr von Euch aus, diese Erlaubnis zu bekommen. Schickt mir dann Bücher über Philosophie, auch Goethe. (Goethe habe ich mir ja immer aufgespart für eine Zeit, wo ich Zeit und Muße habe - die Zeit ist jetzt da!)"

 

So wichtig sind Cato die Wahrheiten, die sie in der Literatur findet, daß sie Kassiber mit Zitaten und Gedichten auch ihren Mitgefangenen zuschmuggelt.

 

Im Gefängnis lernt Cato auch zu unterscheiden.

Denn hier reduzieren die Wahrheiten sich letztendlich auf eine einzige Wahrheit: den Tod.

Und nicht den Tod an sich - als Abstraktum, sondern ihren eigenen Tod, der ihr nun täglich vor Augen steht.

 

An den Freund und Kampfgefährten Heinz Strelow schreibt sie am 17. Februar 1943, einen Monat nach Verhängung des Todesurteils:

"Ich las eben einen Aufsatz von Schoppenhauer: "Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich". Es war Zufall, daß ich diesen Aufsatz bekam. Aber ich brauche nicht Kraft zu schöpfen aus einer Definierung des Todes, und so schön gesagt das alles klingt, was über den Tod da geschrieben steht - ich habe meine eignenen Ansichten, die mir viel mehr geben und sagen, es grenzt schon an eine Selbstverständlichkeit."

 

Und am 28. März 1943 schreibt Cato, ebenfalls an Heinz Strelow:

"Zum Philosophieren habe ich nun gar kein Verständnis mehr, denn mir ist in dieser Zeit alles sehr einfach und klar geworden und ich finde, es ist die ganzen Jahrhunderte sehr viel geschrieben worden und nur weniges hat Bestand, und dazu gehört doch an 1. Stelle die Bibel. Ich bin sehr froh, daß ich das Neue Testament hier habe."

 

Die Religion ist eine weitere Quelle, aus der Cato ihre Kraft schöpft und in der sie nach "der Wahrheit" sucht.

 

An ihre Mutter schreibt sie am 17. März 1943: "Was auch kommt, ich habe keine Angst und blicke zuversichtlich in die Zukunft und weiß selbst nicht, woher ich diese Zuversicht nehme. Es ist ein starker Glaube in mir, und hier habe ich erfahren, daß ich immer schon religiös war, und das hat sich nun sehr gefestigt."

 

Und an ihren Bruder Tim schreibt Cato am 26. April 1943:

"Liebster Tim, ich las gestern am 1. Ostertag im Johannes-Evangelium, und vielleicht rührt auch daher meine große innere Freude. Ich lese im Neuen Testament immer wieder mit ganz neuen Augen und ich finde, alles andere muß dagegen verblassen. Wenn man die Bibel bei sich hat, ich glaube, man braucht dann kein anderes Buch, das erkenne ich immer mehr, und auch meine Gläubigkeit, die bisher in mir schlummerte, habe ich nun wahrhaftig entdeckt."

 

Es scheint, als hätte Cato in jener Zeit im Gefängnis, im Angesicht des Todes, die Wahrheit gefunden, nach der sie während ihres kurzen Lebens so inbrünstig gesucht hat.

 

Das Dorf.

Die Familie.

Die Literatur.

Die Religion.

Aus diesen Quellen also schöpft Cato ihre Kraft.

Und gleichzeitig wird dadurch ihr Blick geschärft für ihre Mitmenschen - z.B. als sie ihre Zeit im Arbeitsdienst (im ostpreußischen Blaustein) ableisten muß.

Im Nachhinein wird ihr klar:

"Wenn ich jetzt so auf meine RAD-Zeit zurückblicke, so stelle ich fest, daß sie mir doch auch genützt hat. Erst dachte ich mir, es sei ein Loch in meinem Leben, aber es wäre falsch, das zu behaupten. Kein Lebensabschnitt, was es auch sei, darf ein Loch sein. Man muß immer profitieren. Das Wesentlichste, das ich vom RAD profitiert habe, ist, daß ich Menschen schätzen gelernt habe, die ich auch nie irgendwie beachtet hätte im sonstigen Leben. Ich denke dabei an eine Berliner Plätterin, die mir in Berlin bei der Abfahrt als unangenehm auffiel. Ihr äußeres Wesen, ihre Sprache - "mir" und "mich" prinzipiell verwechselnd - stieß mich ab. Im Lager kam ich mit ihr in nähere Berührung. Sie faßte Zutrauen zu mir und erzählte mir ihr näheres Leben. Da spürte ich ihr Suchen nach irgend etwas, wovon sie noch nie gehört hat, weder gelesen noch gehört. Ich war ganz beschämt ob meines ersten stillen Urteils."

 

In Blaustein hat Cato offensichtlich ganz bewußt ihre Mitmenschlichkeit entdeckt, und das, was sie nun und später ihre "Liebe zu den Menschen" nennt.

Ein Beleg hierfür findet sich in dem Brief an ihre Tante Louise Modersohn vom 4. März 1940:

"Ich habe nie die Menschen geliebt, ich besaß den großen Fehler, an ihnen immer gleich die komische Seite zu entdecken. Jetzt weiß ich aber, daß alle ein Schicksal haben, und ich liebe sie alle immer mehr und mehr und bekomme mit allen ein unendliches Mitleid. Wenn man jetzt an einem sonnigen Morgen durch die Straßen geht und sich die Menschen ansieht, ihr großes Leid in den Augen erblickt, ihre Unwissenheit und ihr Suchen nach dem Höchsten in ihren Gebärden und in ihren Gesichtern entdeckt, so kann man nichts anderes tun als sie zu lieben, und man vergißt - muß sogar vergessen - daß sie so oft nicht richtig handeln. Man ist selbst ein ach so armseliger Knochen und hat gar nicht das Recht, über andere zu urteilen."

 

Zunächst sind es die kleinen menschlichen Gesten, mit denen Cato - wo und wie immer sie kann - ihr Mitgefühl auszudrücken versucht.

So unterstützt sie jüdische Familien mit ihren Lebensmittelkarten, versorgt französische Kriegsgefangene mit Büchern und Hustensaft und verschenkt einen warmen Mantel und dicke Socken an eine polnische Zwangsarbeiterin.

Alles strafwürdige Vergehen zu jener Zeit.

 

Eines Tages muß Cato mit ansehen, wie ein guter Bekannter, ein jüdischer Philosoph, der im selben Haus wohnt wie sie, von der Gestapo abgeholt wird mit seiner Frau und mit seinem kleinen Kind. Natürlich weiß sie, was diesen Menschen bevorsteht, und sie klagt ihre Freunde und ihre Familie an:

"Ihr redet nur - und keiner tut etwas dagegen."

 

Cato tut etwas.

Sie schließt sich der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" an.

 

Als sie sich mit deren Zielen und dem autoritären Führungsstil nicht länger identifizieren kann, trennt sie sich von der Gruppe, um - gemeinsam mit Heinz Strelow - nun auf eigene Faust Widerstandsarbeit zu leisten.

 

Nur sechs Wochen hat ihre Mitarbeit in der "Roten Kapelle" gedauert - und brachte ihr trotzdem den Tod.

 

"Schade, daß ich nichts auf der Welt lasse als nur die Erinnerung an mich", schreibt Cato in ihrem Abschiedsbrief an ihre Mutter.

 

Aber ist Erinnerung denn so wenig?

Ist Erinnerung nicht vielmehr das Wesentlichste, was von einem Menschen bleiben kann?

"Erinnerung ist eine Form der Begegnung", schreibt der Mystiker Kahlil Gibran.

 

In der Erinnerung an Cato Bontjes van Beek können wir einer jungen Frau begegnen - auf der Suche nach Wahrheit und Menschlichkeit und lauter bis auf den Grund ihres Herzens.

 

Möglicherweise begegnen wir dabei auch unseren eigenen Idealen und finden selbst die Ermutigung, ihnen nachzuleben.

 

Dann ist die Erinnerung an Cato Bontjes van Beek - wie jetzt im Namen dieser Schule - eine Landmarke, nach der man sich orientieren kann.

 

Gerade hier.

Gerade heute.

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Vortrag in Stelle am 3.5.1993, Thema Bernstein.

 

1. Abteilung

BERNSTEIN ALS SCHICKSALSROMAN

oder:

Wie kommt die Mücke in den Bernstein!

 

Vor 30, 40 Millionen Jahren gab es noch keine Menschen auf der Erde. Aber unter den Tieren, die damals die Welt bevölkerten, spielten sich schon wahre Schicksalsdramen ab. In den meisten Fällen können wir nur ahnen, wie es wirklich gewesen ist. Aber in einigen wirklichen Fällen wissen wir es ganz genau.

Ausgerechnet die Dramen der kleinsten und unscheinbarsten Tiere, der Insekten, sind uns erhalten geblieben. Wie in winzigen, goldfarbenen Särgen sehen wir Momentaufnahmen aus dem Insektenleben, wie es sich vor Millionen von Jahren abgespielt hat.

Aus einem Epigramm des römischen Richters Martial sieht man, daß ähnliche Gedanken die Menschen schon von jeher bewegt haben:

"Während ein Ameislein in Phaetons Schatten umher-

 streift, hüllte das zarte Wild harziger Tropfen ein.

 Seht, wie es gewesen bisher verachtet im Leben,

 jetzt erst durch seinen Tod ward es ein köstlicher

 Schatz".

"Aktionsstücke" nennen die Forscher solche Bernsteintropfen, in denen die Tiere in Aktion zu sehen sind.

 

- Da geht es z.B. in einem Stück Bernstein eine ameisenfressende Raubwanze und einige Millimeter entfernt liegen zwei Häufchen von ausgesaugten Ameisen: die Wanze war kurz nach ihrer Frühstücksmahlzeit mit ihren Beutetieren vom Tod überrascht worden.

- In einem anderen Stück befindet sich ein Bücherskorpion, an dem eine Schlupfwespe hängt - wahrscheinlich wollte sie gerade Eier auf dem Wirttier ablegen. Beide fanden ein gemeinsames Ende in ein- und demselben Harzerguß.

- Ein ganz besonderes Beispiel kommt aus der Domonikanischen Republik, wo zwei Ameisen eine kleine Stabheuschreckenlarve wegtransportieren. An jedem Fuß sitzt eine Ameise, und man kann sich gut vorstellen, wie die gezogen haben. Und dann ist der Bernsteintropfen gekommen und hat die ganze Szene eingeschlossen.

- Auch eine Raupenfliege ist im Harz eingefangen, die beim Eierablegen überrascht und neben ihrem Opfer, einer Raupe eingeschlossen wurde.

- In einem anderen Stück hockt auf einer vor Angst und Schrecken gekrümmten Raupe ein räuberischer Weberknecht - hier wurde die Beute zur Falle.

- Eines der anrührendsten Stücke ist sicherlich ein Mückenpärchen auf einem Hochzeitsflug, das sich nicht mehr voneinander lösen konnte und mit den Flügeln gegen das klebrige Harz stieß - vor 30 oder 40 Millionen Jahren an der ostpreußischen Küste.

 

Es hat schon etwas Erschütterndes, daß man in solch einem Stück Bernstein noch die krampfhaften Befreiungsversuche eines gefangenen Insekts beobachten kann und sich dann bewußt macht, daß so ein unscheinbares Lebewesen wie in einem gläsernen Sarg die vielfachen Veränderungen der Erde überdauert hat.

Und es ist schon fast paradox, daß gerade die Eintagsfliegen so oft im Bernstein eingeschlossen wurden.

 

Oft hat man den Eindruck, als würde man trotz der Millionen Jahre Zwischenzeit ein lebendiges, nur eingekerkertes Geschöpf sehen.

 

Anhand der Einschlüsse im Bernstein sind allein 900 Arten von Fliegen und Mücken beschrieben worden und mehr als 1000 Arten Käfer. Dazu komen Spinnen, Skorpione, Springschwänze usw. Flora und Fauna der Erde haben sich in den vielen Jahrmillionen verändert, Mammut, Saurier und Flugechse sind ausgestorben. Die Insekten dagegen - das beweisen die Bernsteinfunde - haben sich weder ihrer Art noch ihrer Verhaltensweise nach wesentlich verändert. Das macht einen im Hinblick auf den Darwinismus denn doch nachdenklich.

 

Wie sind nun die Insekten überhaupt in den Bernstein hineingeraten?

 

Es sind ja hauptsächlich sehr kleine Tiere, die im Harz gefangen wurden. Größere konnten sich meistens befreien - wobei gelegentlich allerdings ein Fuß in der klebrigen Masse hängenblieb. Die kleineren Tiere hatten nicht die Kraft, sich zu befreien.

 

Ob die Insekten vom Duft oder von der Farbe des noch klebrigen, fast flüssigen Harzes angelockt wurden oder ob der Harzfluß aus den verletzten Bäumen sie überraschte, weiß man nicht.

 

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2. Abteilung

BERNSTEIN ALS WIRTSCHAFTSKRIMI

oder

Auf Sammeln steht der Tod.

 

Ein beliebtes Genre - vor allem im Fernsehen - ist heute der "Wirtschaftskrimi". Das mag daran liegen, daß wir heute einen anderen Staatsbegriff haben. Verstand sich Friedrich d. Gr. noch als "erster Diener" seines Staates, so sehen sich heute Minister und Staatsbeamte nicht selten als "erste Selbstbediener". Und da schlechte Beispiele die Sitten verderben, ist es kein Wunder, daß wir ganz normalen Bürger da auch schon mal anfangen zu mogeln - bei der Steuererklärung beispielsweise.

 

Was das nun mit Bernstein zu tun hat?

Man kann die Geschichte des Bernsteins nämlich auch als Wirtschaftskrimi schreiben.

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schreibt noch:

"Lange lag der Bernstein ungenutzt unter dem Auswurf des Meeres. Sie (die Restyer) machen selbst keinen Gebrauch davon. Roh und ungeformt geht er weiter, und staunend nehmen sie die Bezahlung."

 

Aus diesen Worten geht deutlich hervor, daß der Bernstein ursprünglich freies Eigentum der Finder war. Als aber dann die polnischen Fürsten - etwa ab 1000 - den Ritterorden in die Länder der Ostseeküste riefen, um diese zu Christianisieren und zu zivilisieren - hatten sie bereits den Bernstein laut Gesetz zum Staatseigentum erklärt. Dieses Gesetz - das sogenannte Bernstein-Regal - wurde dann vom Ritterorden übernommen.

Dieses Gesetz verpflichtete die Strandbewohner, den Bernstein zu sammeln oder zu schöpfen und ihn dann den Beamten des Ritterordens - den sogenannten Bernsteinherren - abzuliefern. Die Bezahlung, die sie dafür erhielten, war mehr als geringfügig.

 

Das führte natürlich dazu, daß die Menschen der Ostseeküste immer wieder auch Bernstein gesammelt - und nicht abgeliefert haben. Darauf allerdings standen die härtesten Strafen. Entlang der samländischen Küste hatte der Ritterorden Galgen aufgerichtet - zur Abschreckung und zum sofortigen Gebrauch. Denn mit den Bernsteindieben wurde kurter Prozeß gemacht. Trotzdem versuchten die armen Samländer immer wieder, durch den illegalen Verkauf von Bernstein - der ja eigentlich ihr Eigentum war und nicht das der fremden Ritter - ihre kärglichen Lebensbedingungen etwas zu verbessern.

Manche der Bernsteinherren waren so grausam in der Ausübung des Bernsteinregals, daß ihnen die von ihnen hingemordeten Strandbewohner nicht einmal im Tode die Ruhe ließen. So ist es überliefert in einer Sage über den Ordensvogt Anselmus von Losenberg:

      In altpreußischer Zeit konnte jeder den Bernstein, den die See an den Strand warf, aufsammeln und an die fremden Händler gegen andere Waren eintauschen. Als aber der Deutsche Ritterorden das Land in seinen Besitz nahm, erkannte er sofort den hohen Handelswert des Bernstein, und Bruder Anselmus von Losenberg, der als Vogt über das Samland gesetzt war, erließ ein Gebot, welches dem Orden das Alleinrecht des Bernsteinhandels vorbehielt, und es sollte danach jeder, der sich unbefugt unterstehe, das Gold des Meeres zu sammeln, fortan den Tod am Galgen erleiden.

  Die Preußen aber, deren nicht wenige, die Fischer vor allem, bisher ihren Lebensunterhalt aus dieser Gabe des Meeres gezogen hatten, scherten sich nicht um das neue Recht; sie beharrten auf ihrem angestammten Recht und sammelten weiter den Bernstein aus dem Tang, den die Brandung in den Nächten an den Strand warf, und die Fischer behielten, was ihnen beim Fang in ihre Netze kam. Darüber erzürnte der Vogt Anselmus sehr, und er ließ jeden, der sich in unrechtmäßigem Besitz von Bernstein befand, von seinen Knechten ergreifen und kurzerhand und ohne jedes weitere Urteil am nächsten Baum aufknüpfen. Es ist ihm dieses blutige Gericht aber nicht zum Segen ausgeschlagen: die Todesschreie und Verwünschungen der gehenkten Bernsteinsammler sind ihm in das Grab nachgefolgt, so daß er im Jenseits keine Ruhe finden konnte. Noch Jahrhunderte danach will man ihn in stürmischen Nächten am Strand umherirren gesehen haben, wie er flehend die Hände zum Himmel reckte und immer wieder ausrief: "Oh, um Gott, Bernstein frei! Bernstein frei!"

 

Viel wirksamer als diese drakonischen Strafen war da wohl das Verbot, daß sich im ganzen Ordensland keine Bernsteinarbeiter ansiedeln durften. Denn bei mangelnder Gelegenheit, auch kleine Mengen Bernstein ohne große Transportkosten an den Mann zu bringen, verringerte sich das Interesse am Stehlen schon beträchtlich.

 

Der Bernstein wurde in jener Zeit in der Hauptsache zur Herstellung von Rosenkränzen verwendet - nicht nur wegen seiner Schönheit, sondern wegen der ihm zugeschriebenen magischen Eigenschaften. Aber dazu kommen wir dann noch ausführlich in der Abteilung "Märchenstunde".

 

Die Hersteller dieser Rosenkränze wurden Paternostermacher genannt, von denen es bedeutende Zunftvereinigungen in Lübeck und später dann in Danzig gab..

 

Auch nach Beendigung der Herrschaft des Ritterordens wurde die Lage der Strandbewohner nicht besser - die preußischen Herzöge übernahmen im wesentlichen die strenge Gesetzgebung, mit der das Bernsteinregal geschützt werden sollte. Die           Galgen für die Bernsteindiebe standen immer noch auf den Dünen und wurden immer noch benutzt.

So ist uns das Urteil gegen einen Fischer aus dem Jahr 1662 erhalten geblieben.

 

"Urthell.

Demnach Christoph Mammon, Fischer von Rauschen, sich gelüsten lassen, zuwider Sr. Churfürstl. Dhl. ernstes Verbott, welches ihm bekannt gewesen, daß Churf. Börnstein Regale zu stehlen, zu verparthieren und zu verkauffen, auch also grob gemacht, daß er dessen über anderthalb Vierthel und noch 6 Staff und also beinahe zwei gantze Vierthel Börnstein, so mehrerentheils Fundstein gewesen, nebst drei großen Fundstücken entfrembdet: Dieß erkennet Sr. Churf. Börnstein Gericht, Gott und die Gerechtigkeit vor Augen habend, vor Recht, daß besagter Christoph Mammon anderen zum Exempel, ihm zur verdienten Strafe, laut denen Churfstl. Strand-Artikulln mit dem Strange vom Leben zum Tode gerichtet werden solle, wie Recht ist von Rechts wegen.

Pronuntiatum Fischhausen am 27. Aprilis a.d. 1662.

Director und Assessores des Churfürstl. Börnstein-Gerichts."

 

Besonders demoralisierend wirkten sich die sog. "Strandeide" aus, welche die Bevölkerung am Strande seit der Bernsteinordnung des Großen Kurfürsten ablegen mußte. Dabei mußte nicht nur jeder Erwachsene schwören, daß er selbst keinen Bernstein stehlen würde - er mußte sich auch eidlich verpflichten, jeden anderen (und sei es ein Angehöriger) anzuzeigen, wenn er bei diesem Unterschlagungen entdecken würde. Sogar die Pfarrer der an den Strand grenzenden Kirchspiele mußten den Strandeid ablegen und von der Kanzel herab immer wieder auf dessen Bedeutung hinweisen.

 

Sie sehen also, das System von Spitzeln und IMs ist keine Erfindung unserer Tage.

 

Das Bernsteinregal bestand mit verschiedenen Abwandlungen (so wurde niemand mehr wegen illegalen Bernsteinsammelns mehr des Landes verwiesen, ins Arbeitshaus gesteckt oder gar aufgeknüpft) noch bis etwa zur Jahrhundertwende. Dann kam die große Zeit der Badegäste - und die konnte man natürlich nicht vom Strand fernhalten - und auch nicht vom Bernsteinsammeln.

 

In Palmnicken im Samland wurde im letzten Jahrhundert eine bernsteinführende Schicht entdeckt, die sich im Tagebau abbauen ließ. Man war also nicht länger auf das angewiesen, was das Meer - beim sog. "Bernsteinwind" - an Land schwemmte, sondern konnte Maschinen einsetzen und ein regelrechtes Bergwerk errichten.

So konnte man damals dicht an der See und weitab von den rauchgeschwärzten Erz- und Kohlegruben etwa des Ruhrgebiets richtigen Bergknappen begegnen mit ihren schmucken Uniformen und ihrem altüberlieferten Gruß: "Glück auf!"

Die ostpreußische Autorin Margarete Kuding schrieb diesen Knappen sogar ein eigenes Lied:

 

"Bergknappen sind wir am Ostseestrand,

tief graben wir in den blauen Sand.

Pickel und Grubenlicht brauchen wir nicht,

frei schaffen wir in der Sonne Licht

im Bernsteinland am Ostseestrand.

Glück auf! Wir graben das Gold!"

 

Anfang unseres Jahrhunderts wurden dort pro Jahr etwa 50 bis 60 Tonnen Rohbernstein gewonnen. Dabei waren etwa 1000 Personen beschäftigt. 1937 förderten etwa 700 Beschäftigte 650 Tonnen Bernstein. Ende der 60er Jahre arbeiteten in Palmnicken - das heute Jantarny = Bernsteinstadt heißt - 2000 Menschen und die Fördermenge an Bernstein war auf 4.400 Tonnen gestiegen.

 

Inzwischen muß man in Jantarny/Palmnicken schon 40 bis 60m tief graben, um an die bernsteinführende Schicht zu gelangen. Das war noch vor wenigen Jahren kein Problem - denn die Sowjetunion baute Bernstein im wesentlichen ab, um an Devisen zu gelangen. Dafür konnten Arbeitskräfte und Energie unbegranzt eingesetzt werden.

 

Das sieht jetzt, wo überall im Osten privatisiert und ein kapitalistische Wirtschaftsreform ausprobiert wird, ganz anders aus. Und es bleiben eigentlich nur zwei Alternativen: entweder wird der Bernsteinabbau dort ganz eingestellt werden - oder der Bernstein wird sich um ein Vielfaches verteuern

 

Im vergangenen Jahr erschien eine dpa-Meldung über die gegenwärtigen Zustände in Jantarny:

 

"Bernsteinfieber im alten Ostpreußen"

Gewalttätigkeiten nehmen täglich zu.

Moskau. (dpa) Das "Bernsteinfieber" grassiert im sowjetischen Teil Ostpreußens. Das größte Bernsteinvorkommen der Welt in Palmnicken (Jantarny) an der Ostseeküste locke Abenteurer aus allen Teilen der früheren Sowjetunion an, hieß es gestern in der Moskauer Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda". "Vom benachbarten Hügel sieht der verlassene Tagebau der staatlichen Bernsteinfabrik wie ein Ameisenhaufen aus", hieß es in der Reportage.

Obwohl die alte Grube als nicht mehr wirtschaftlich nutzbar gelte, könne man dort im Handbetrieb immer noch bis zu fünf Kilo steingewordenes Harz am Tag finden. Auf dem benachbarten Markt würden bis zu 15000 Rubel (200 Mark) pro Kilo gezahlt. Organisierte Banden schafften den Bernstein über die Grenze nach Polen, Deutschland, Taiwan und Hongkong, wo er für drei Dollar pro Gramm gehandelt werde. Die Gewalttätigkeiten bis zu Schießereien unter den rivalisierenden Gruppen der Bernsteinjäger nähmen täglich zu.

Das Ausmaß des illegalen Bernsteinhandels bedroht inzwischen die Existenz der staatlichen Bernsteinfabrik. Die "private Konkurrenz", die weder Zölle noch Steuern zahlt, drücke die Preise auf dem Weltmarkt, so daß das "Kombinat Jantarny" seine 750 Tonnen Bernstein im Jahr nicht mehr wirtschaftlich verkaufen könne. Die Fabrik drohe, unter den Hammer zu geraten und als Käufer kämen dann "vor allem die alten deutschen Besitzer" in Frage.

 

Aber nicht erst der über die frühere SU hereinbrechende Kapitalismus hat die Energien der Bernsteinjäger geweckt - die gab es auch in kommunistischen Zeiten schon.

 

So gab es 1985 eine ausgesprochene Bernsteinschwemme bei westeuropäischen Juwelieren - während die Restaurateure des Bernsteinzimmers in Zarskoje Selo kein Material mehr geliefert bekamen. Grund: Ein Gaunertrio hatte den Großteil des dafür vorgesehenen Bernsteins verschoben!

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3. Abteilung

BERNSTEIN ALS SF-STORY

oder:

Die Wiederkehr der Saurier

 

Wahrscheinlich fragen Sie sich inzwischen, warum ich noch nichts über den berühmtesten Floh der Welt gesagt habe. Natürlich habe ich ihn nicht vergessen - ich habe ihn mir einfach aufgehoben für diese besondere Abteilung: Bernstein als SF-Story.

 

Dieser Floh ist denn auch der absolute Star der Inklusen - Sammlung des Hamburger Geomatikums. Dabei ist er nicht einmal besonders schön - die Fliegen, Termiten und Zikaden sehen mit ihren zarten Körpern und den durchsichtigen Flügeln viel anmutiger aus. Aber der Floh ist sehr, sehr selten - soweit bekannt, existiert nur noch ein zweites Exemplar. Das heißt: diese Flöhe sind seltener als die "Blaue Maritius", jene legendäre Briefmarke. Es muß schon ein ganz besonders großer Zufall gewesen sein, daß solch ein Parasit gerade in dem Augenblick sein Wirtstier verließ, als dieses an fließenden Harz vorüberwechselte.

 

Um was für ein Wirtstier mag es sich dabei gehandelt haben. Diese Frage stellt sich auch Wilhelm Bölsche, der Autor des 1927 erschienenen Kosmos-Bändchens "Im Bernsteinwald" - ein Bändchen, das übrigens ebenso informativ wie unterhaltsam geschrieben ist. (Eine Tatsache, die bei wissenschaftlicher Literatur ja leider eher die Ausnahme ist.)

Wilhelm Bölsche also schreibt über den Floh:

"Man möchte unwillkürlich fragen, von was für einem Ungeheuer er abgesprungen ist, um im Harz zu landen - nüchterne Zoologen denken ihn aber auf einer Maus oder einem Maulwurf ursprünglich beheimatet."

Das war 1927.

Nüchterne Zoologen wußten damals noch nichts von  DMS und Genmanipulation.

Heute - nach der Entdeckung, daß die Doppel der Desoxiribosenucleinsäure den gesamten genetischen Code eines Lebewesens enthält, sieht das schon anders aus.

Noch halten Genetiker sich - jedenfalls soweit wir es zu wissen kriegen - bei ihren Experimenten an Kartoffeln, Rüben und allenfalls Ratten und Mäuse.

 

Die Schriftsteller gehen bei ihren Szenarien schon einen Schritt weiter - so wie ja auch Jules Vernes die Technik der U-Boote und Raumschiffe in seinen Büchern vorweggenommen hat.

 

Und so werden heute - zumindest in der Literatur - schon jene "Ungeheuer", von denen Wilhelm Bölsch sprach, nämlich die Dinosaurier, rekonstruiert - und zwar mit Hilfe winziger Blutreste, die blutsaugende Insekten wie Flöhe und Mücken vor Jahrmillionen von den längst ausgestorbenen Urwelttieren aufgenommen haben.

 

Demnächst läuft in Deutschland ein Film an mit dem Titel "Jurassic Park", der auf einem Roman von Michael Crichton basiert. Dieser Roman trägt in Deutschland den Titel "Dino Park", und es geht darin um die genetische Rekonstruktion von Dinosauriern.

 

Was das alles mit Bernstein zu tun hat?

Ich lese Ihnen einige Passagen aus dem Buch vor, die diese Frage beantworten.

Zuerst das Gespräch zweier Wissenschaftler - der eine, Morris, ein Jurist, der andere, Grant, ein Anthropologe.

 

Michael Crichton, Dino Park (Jurassic Park)

S. 54 Das Gespräch zweier Wissenschaftler

"Es gibt noch andere Rätsel", sagte Morris. "Zum Beispiel, was haben Dinosaurier mit Bernstein zu tun?"

"Bernstein?"

"Ja. Das ist das harte, gelbe Harz aus getrocknetem Pflanzensaft."

"Ich weiß, was es ist", erwiderte Grant. "Aber warum fragen Sie mich nach Bernstein?"

"Weil Hammond in den letzten fünf Jahren in Amerika, Europa und Asien riesige Mengen Bernstein gekauft hat, darunter viele Schmuckstücke von Museumsqualität. Die Stiftung hält inzwischen den größten Privatbesitz an Bernstein in der Welt."

"Das verstehe ich nicht", sagte Grant

"Und auch sonst niemand. Soweit wir wissen, ist das absolut sinnlos. Bernstein läßt sich leicht synthetisch herstellen. Er hat keinen wirtschaftliche oder militärischen Nutzen. Es gibt keinen Grund, ihn zu horten. Aber Hammond tut genau das, und zwar seit vielen Jahren."

"Bernstein", wiederholte Grant kopfschüttelnd.

 

S. 129/130

Dr. Henry Wu, Genetiker

Grant, Anthropologe

Henry Wu lächelte. "Sie fragen sich wahrscheinlich, wo unsere Dinosaurier-DNS herkommt."

"Die Frage schoß mir kurz durch den Kopf", sagte Grant.

"Genaugenommen", erklärte  Wu, "gibt es zwei mögliche Quellen. Mit Hilfe der Methode der Antikörperextraktion nach Loy erhalten wir manchmal DNS direkt aus Dinosaurierknochen."

"Mit welcher Ausbeute?" fragte Grant.

"Nun, ein Großteil der löslichen Proteine wird während der Versteinerung ausgefällt, aber durch Pulversisierung der Knochen und Anwendung von Loys Verfahren lassen sich etwa 20 Prozent der Proteine gewinnen."

"Und Sie haben hier sein Verfahren übernommen?" fragte Grant.

"Nur als unterstützende Maßnahme", erwiederte Wu. "Wie Sie sich vorstellen können, reichen 20 Prozent für unsere Arbeit nicht aus. Wir brauchen den gesamten DNS-Strang eines Dinosauriers um klonen zu können. Und den bekommen wir von dem da." Er hielt einen gelben Stein hoch. "Aus Bernstein - dem versteinerten Harz prähistorischer Bäume."

"Ich versteh immer noch nicht", gab Grant zu.

"Baumsaft", erläuterte Wu, "tropft häufig auf Insekten und schließt sie ein. Die Insekten sind dann in dieser Versteinerung vollkommen erhalten. Man findet alle möglichen Insekten im Bernstein - darunter auch stechende Insekten, die bei größeren Tieren Blut gesaugt haben."

"Blut gesaugt", wiederholte Grant nachdenklich. Dann blieb ihm vor Überraschung der Mund offen stehen. "Sie meinen, das Blut von Dinosauriern..."

"Ja, darauf hoffen wir immer."

"Und dann werden die Insekten in Bernstein konserviert..." Grant schüttelte den Kopf. "Na verdammt - das könnte ja wirklich funktionieren."

"Ich kann Ihnen versichern, es funktioniert", sagte Wu. Er ging zu einem der Mikroskope, wo ein Techniker ein Stück Bernstein mit einer eingeschlossenen Fliege auf den Objektträger legte. Auf dem Videomonitor sahen sie dann, wie er eine lange Nadel durch den Bernstein und in den Brustkorb der prähistorischen Fliege stach.

"Wenn diese Insekt fremde Blutzellen in sich trägt, können wir sie möglicherweise extrahieren und so Paläo-DNS, die DNS eines ausgestorbenen Tieres, gewinnen. Sicher wissen wir das natürlich erst, wenn wir das gesamte Blut extrahiert, repliziert und untersucht haben. Und genau das tun wir seit inzwischen fünf Jahren. Es war eine lange mühevolle Arbeit, aber sie hat sich gelohnt."

 

Fact oder Fiction?

Warum sollte es nicht möglich sein, daß eine der vielen Mücken, die - im Bernstein eingeschlossen - bis heute konserviert sind, einen Saurier gestochen und dessen Blut aufgesaugt hat? Und daß aus diesem Blut die DNS, also die gesamte genetische Information, zur Rekonstruktion eines solchen "prähistorischen Ungeheuers" verwendet werden könnte?

 

Das große Interesse der Wissenschaftler an den Bernstein-Einschlüssen legt eine solche Vermutung zumindest nahe.

 

Dazu eine dpa-Meldung, die am 27.02.1993 durch die Medien ging:

Uralte Organismen in bayerischem Bernstein.

New York. Algen, Bakterien, Pilze, Pollen und Sporen haben deutsche und amerikanische Wissenschaftler in 220 bis 230 Millionen Jahre altem Bernstein entdeckt. Kleine Stücke des Bernsteins waren aus dem Sandstein eines Berges am bayerischen Schliersee geborgen worden. Die Forscher sind von dem Fund fasziniert, weil die meisten dieser Uralt-Organismen heute noch existierenden Gruppen zugeordnet werden können.

 

Aber auch wenn eine Wiederkehr der Saurier und der Mammute nicht geplant ist - und vielleicht ist das ganz gut so (lesen Sie Michael Crichton's "Dino Park") die Inklusen im Bernstein zeichnen uns ein ziemlich deutliches Bild davon, wie das Land der Bernsteinwälder einmal ausgesehen hat.

 

Zu jener Zeit lag das Gebiet hier - die norddeutsche Tiefebene also - zu einem großen Teil viele Meter tief unter Wasser begraben - so, wie es vielleicht im nächsten Jahrtausend schon wieder aussehen wird, wenn man den Prognosen über das Abschmelzen der Polkappen Glauben schenken will.

 

Ein großer Teil des heutigen Ostseeraums dagegen "war von Wäldern - eben den "Bernstein-Wäldern" - bedeckt. Es waren keine dichten Urwälder - eher savannenähnliche Waldgebiete. Im Boden dieser baumreichen Savanne reicherte sich im Laufe von Jahrmillionen das Harz von Kiefern an.

 

Und ganz ähnlich wie heute beispielsweise aus den afrikanischen Urwäldern der bernsteinähnliche Kopal von Flüssen in den indischen Ozean transportiert wird - und dort vielleicht irgendwann einmal zu Bernstein wird - so wurden auch damals - vor vielen Millionen von Jahren - große Mengen des im Laufe der Zeit zu Bernstein umgebildeten Harzes durch Flüsse dem damaligen Meer zugeführt.

 

Die urzeitliche Heimat der nordeuropäischen Bernsteinkiefern lag also - wie gesagt - in einem weiten Gebiet, das heute von der Ostsee ausgefüllt wird. Die skandinavischen Gletschermassen der Eiszeit schoben den Boden mit den Bernsteinlagern nach Süden vor sich her. Unter den zahlreichen Fundgebieten - Jütland, Nordseeinseln usw. - ist noch immer die ostpreußische Samlandküste die ergiebigste.

 

Der meiste Bernstein stammt aus dem Tertiär, einer Epoche in der Erdgeschichte, die vor 65 Millionen Jahren begann und vor zwei Millionen Jahren endete.

In dieser Zeit war Europa von endlosen Wäldern bedeckt. Sie bestanden hauptsächlich aus Laubbäumen, aber es gab (wie heute noch in Norddeutschland) Kiefern- und Fichtenwälder.

Die Landschaft Nordeuropas sah vor den Eiszeiten ganz anders aus als heute. Das Meer ragte weit in die Norddeutsche Tiefebene hinein, die jedoch mit der heutigen nichts Gemeinsames hat. Was wir heute dort sehen, ist ein Produkt der Eiszeit, also höchstens zwei Millionen Jahre alt. Durch die Eismassen, die sich nach Norden zurückzogen, bildeten sich gewaltige Flüsse und Ströme, die Geröll und Sand in der Norddeutschen Tiefebene ablagerten. Aus den Urwäldern des Tertiärs nahmen sie auf ihre lange Reise die Harzabsonderungen mit, die heute als Bernstein von ihrer Existenz erzählen.

Dieser Bernsteinurwald wurde (da es noch keinen Menschen gab) nicht durch Forstwirtschaft und Kultivierung "bereinigt", sondern blieb völlig sich selbst überlassen. Die Bäume waren den Naturgewalten ungeschützt ausgesetzt, und darunter sind nicht nur Unwetter zu verstehen, sondern auch eine reiche Insektenwelt und pflanzliche Parasiten, die den Bäumen hart zusetzten. Blitze sprengten Stamm und Rinde, Stürme rissen die Kronen herab, und Insekten fraßen sich in den Stamm. Die Folge war ein verstärkter Harzerguß an den Bruchstellen, um die Wunden so schnell wie  möglich zu schließen - den Vorgang, den ein Bernsteinforscher Bernsteinkrankheit oder Succinose (der Begriff ist von den Wörtern sucus=Saft und sucinum=Bernstein) abgeleitet.

Trotzdem ist noch unklar, warum solche Mengen von Bernstein an einem Ort gefunden werden - in Ostpreußen immerhin Hunderte von Tonnen pro Jahr. Danach müßte es von einem verletzten Baum ganz schön herunter geregnet haben. Unsere Fichten erzeugen schließlich nur wenig Harz, völlig unzureichend, um große Lagerstätten entstehen zu lassen. Er reicht gerade aus, um uns klebrige Finger zu bescheren, wenn wir den Weihnachtsbaum zurechtstutzen.

 

Die im Bernstein enthaltenen Einschlüsse, die nicht nur tierische Lebewesen, sondern auch Holz- und Blattreste, Blüten und Samen aufweisen, haben es den Forschern ermöglicht, sich ein sehr genaues Bild von der Struktur dieser vorzeitlichen Wälder und damit auch von den klimatischen Verhältnissen jener Zeit zu machen:

So rechnet man für das Tertiär mit einer Durchschnittstemperatur von 20 Grad - im Vergleich dazu: in den letzten 30 Jahren hatten wir in Norddeutschland eine durchschnittliche Jahrestemperatur von 8,7 Grad Cel. (so teilte es mir jedenfalls letzte Woche das Wetteramt Bremen mit).

Es gab deshalb hier auch einen üppigen Dschungelwald, in dem neben Buchen, Birken und Nadelhölzern auch tropische Palmen wuchsen. Zu den Tieren, die diese Gegenden bevölkerten gehörten - neben den uns  in dem Bernsteinen erhaltenen Insekten auch Krokodile und Affen. Es war hier also eine subtropische Fauna und Flora vorhanden.

 

Inklusen

Ob nun die riesige Bernsteinproduktion von Verletzungen der Bäume herrührt oder von Seuchen, die die Wälder befallen haben sollen, wie einige Forscher glauben - der "Wundersaft" der Bäume hatte für manche Insekten tödliche Folgen. In dem Irrtum, es handle sich um Honig, ließen sich vorwitzige Krabbler auf dem klebrigen "Fliegenfänger" nieder. Bei ihren Befreiungsversuchen drangen sie nur immer tiefer in das zähflüssige Harz ein, bis ihre Atemöffnungen verklebt warten und sie erstickten.

Eine solche "Insektenkonserve" wurde mit dem nächsten Wolkenbruch in einen reißenden Fluß geschwemmt und nach einer viele Kilometer langen Reise an einer sandigen Ebene abgelagert. Bei jedem neuen Hochwasser kam eine weitere Schicht an Harzklumpen hinzu. Über Jahrmillionen entstand so eine Bank aus Sand und Harzbrocken, die sich unter dem zunehmenden Druck von oben und unter Luftabschluß verfestigte.

Nachdem sich die Eisgebirge der letzten Eiszeit aus Norddeutschland zurückgezogen hatten, hob sich die ehemalige sandige Ebene, weil sich der Druck der gewaltigen Eispanzer im Norden verringerte. Wind und Wellen der Nord- und Ostsee legten die alten Schichten frei, und nach einer Ruhezeit von möglicherweise 40 Millionen Jahren kamen auch die Harzklumpen wieder ans Tageslicht - inzwischen zu klarem Bernstein erstarrt. Und darin waren die Insekten in den letzten Sekunden ihres Todeskampfes gefangen.

 

Ich befragte zu diesem Thema auch einen unserer Bernstein-Experten, Dr. Wolfgang Weitschat vom Hamburger Geomatikum.

Er sagte mir folgendes:

"Unser baltischer Bernstein stammt aus Kiefern - meint man zumindest. Was uns zweifeln läßt, ist - daß wir sowenig Nadeln finden von den Kiefern. Pflanzen sind im baltischen Bernstein extrem selten - auf tausend Insekten kommt eine Pflanze. Und was wir besonders selten haben - das sind Kiefernnadeln. Das ist der Harzproduzent - von dem müßte mehr drin sein. Aber in unserem Raritätenkabinett haben wir ganze zwei Nadeln."

 

Muß man sich die Bernsteinwälder doch ein bißchen anders vorstellen als uns das mit Plinius liebgeworden ist?

 

Dazu noch einmal Dr. Wolfgang Weitschat:

"Leider haben wir keine bessere Erklärung. Es ist natürlich das Harz schon der Kiefer sehr ähnlich. Ein russischer Kollege hat mir gesagt - und ich denke, daß er der Wahrheit am nächsten kommt - daß nach dem alten Sprichwort "Chemisch Ähnliches löst chemisch Ähnliches" - Gallen, Kiefernpallen, in diesem Harz aufgelöst sind. Das ist für mich die einzige vernünftige Erklärung, warum keine Kiefernpallen im Bernsteinharz zu finden sind."

 

Die Frage, wie die Bernsteinwälder wirklich ausgesehen haben, wird vielleicht für immer ungelöst bleiben. Selbst wenn man aus den Bernsteinfunden - wie in Michael Crichtons Roman - Teile der Urwelt rekonstruieren könnte - es würden immer nur Teile bleiben. Und so ist denn auch - soviel sei hier vorweggenommen - das Projekt der "Wiederkehr der Saurier" zum Scheitern verurteilt.

 

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4. Abteilung

DER BERNSTEIN ALS THRILLER

oder:

Die Suche nach dem Bernsteinschatz.

 

Und hiermit komme ich nun zu dem Thema, das die Ur-Zeit mit der Jetzt-Zeit verbindet - und die ganze lange Geschichte des Bernsteins mit diesem Ort Stelle.

Herr Remy hat seinen Fernsehfilm über das Bernsteinzimmer Ihrem Mitbürger Georg Stein gewidmet, der auf so tragische Weise gestorben ist.

 

Für mich ist Georg Stein ein Mensch, dem ich - dem Namen nach - bei meinen Recherchen immer wieder begegnet bin. Er hat viele Jahre seines Lebens und einen Großteil seines Vermögens dafür aufgewendet, dem Rätsel über den Verbleib dieses einzigartigen Kunstschatzes auf die Spur zu kommen.

 

Das Bernsteinzimmer - was ist (oder war) das eigentlich?

Wenn man nur die Tagespresse der letzten zwei Jahre anschaut, hat man fast den Eindruck, das Bernstein-Zimmer hätte für die Journalisten den Platz des "Ungeheuers von Loch Ness" eingenommen - als Lückenfüller für das Sommerloch nämlich, jene von allen Reportern, Moderatoren und sonstigen Medienleuten gefürchtete "Saure-Gurken-Zeit", in der nichts, aber auch gar nichts Wesentliches passiert - in der aber Radiohörer, Fernsehzuschauer und Zeitungsabonnenten trotzdem unterhalten werden und sich informiert fühlen wollen.

 

- So wurde Boris Jelzin bei seinem Deutschlandbesuch im November 1991 in den Mund gelegt, daß er demnächst genaue Angaben über den Verbleib des Bernsteinzimmers machen würde.

Nichts dergleichen geschah.

- Am 23.11.XXXX titelte die Bild-Zeitung: "Bernsteinzimmer: Heiße Spur in Thüringen". Die heiße Spur erwies sich - nach allerhand aufwendigen Grabungen in Weimar - als kalte Ente.

- Am selben Tag konnte man aus einer dpa-Meldung erfahren: "Bremer Senat schickt Experten-Arbeitsgruppe auf den Weg" - auf der Suche nach sowjetischem Kulturgut nämlich. Dabei sollte auch nach dem von der deutschen Wehrmacht aus Zarskoje Sela in den Westen verbrachten Bernsteinzimmer geforscht werden.

 

Ich habe den Leiter dieser Expertengruppe Herrn Prof. Eichwede von der Universität Bremen kurz bevor ich hierher kam, noch einmal zu diesem Thema befragt.

Das mit dem Bernsteinzimmer, sagt er, hätten die Journalisten dazu gedichtet.

Er würde sich nie auf die Suche danach machen - weil das einzige Ergebnis wäre, daß zu einer 27. noch eine 28. Theorie hinzukäme.

Ich befragte ihn auch, ob er glaube, daß das Bernsteinzimmer noch vorhanden wäre.

Prof. Eichwede verneinte diese Frage. Es gäbe höchstens noch Reste, die sich auf russischem Teritorium befinden.

 

Aber weiter in unserer kleinen Presseschau.

 

- dpa-Meldung vom 23.11.91

"Verschwundener Kunstschatz im Hitler-Bunker? - Bernsteinzimmer bei Erfurt vermutet".

- 25.11.91

"Die Suche nach dem Bernsteinzimmer wird immer rätselhafter. Was weiß Jelzin wirklich?

Kunstschatz jetzt in Weimar vermutet.

Moskau bleibt bei Erfurt."

- 27.11.91

"Und weiter spekulieren die Bernsteinjäger - Historiker und Rentner vermuten Schatzzimmer unter ehemaliger Gauzentrale in Weimar."

 

Aber weder in Erfurt noch in Weimar wurde man fündig, wie man den beiden folgenden >Meldungen entnehmen kann:

 

- 4.12.91

"Bernsteinzimmer-Suche in Erfurt kaum von Erfolg gekrönt.

Hallen des letzten Führerbunkers sind leer."

- 5.12.91

"Kein Bernsteinzimmer in Weimar"

 

Soweit also der Stand der Dinge, was die Sache nach diesem legendären Kunstschatz anbetrifft. Aber worum handelt es sich denn nun bei dem Bernsteinzimmer, das die wenigen, die es gesehen haben, enthusiastisch als 8. Weltwunder bezeichnen?

 

Im 18. Jahrhundert wurde die Bernstein-Imkrustation - also das Belegen eines Holzkernes mit Bernsteinplatten - beliebt. Es entstanden Möbel und Hausaltäre, Kassetten und Rahmen in dieser Technik. Dabei wurde Bernstein verschiedener Farben eingelegt. Das bedeutendste und umfangreichste Werk dieser Art war das Bernsteinzimmer.

 

Friedrich I., der erste Preußenkönig, ließ es Anfang des 18. Jahrhunderts herstellen. Es wurde im Berliner Stadtschloß aufgestellt und bestand aus einem Eckzimmer - etwa 16qm groß und fast 5 m hoch - das ganz mit Bernsteinplatten getäfelt war. Das Zimmer enthielt außerdem die verschiedensten Kunstgegenstände aus Bernstein.

1716 - inzwischen war Friedrich Wilhelm I., bekannt als der "Soldatenkönig" und für seine Vorliebe für die sogenannten "langen Kerls", regierender Monarch - besuchte Zar Peter d. Gr. Berlin. Er war von dem Bernstein-Kabinett so begeistert, daß Friedrich Wilhelm I. gar nichts anderes übrig blieb, als es ihm zum Geschenk zu machen. Zar Peter ließ das Bernsteinzimmer zunächst in seinem Winterpalais in St. Petersburg aufstellen.

Seine Tochter, die Zarin Elesabeth I., ließ das Bernsteinzimmer dann ins neu erbauten Schloß Zarskoje Selo bringen. Diese war von dem italienischen Architekten Rastrelli - den man auch den Schöpfer des russischen Rokoko nennt - entworfen worden. Hier wurde das Bernsteinzimmer in einem Festsaal untergebracht, der 10 x 10 Meter groß und fast 6 Meter hoch war.

 

Inzwischen war die Ausstattung dieses Zimmers nämlich erheblich erweitert worden - durch hohe venezianische Spiegel, die das Kerzenlicht reflektierten, vor allem aber durch weitere Bernsteinarbeiten. Das Bernsteinzimmer bestand zuletzt aus 107 Wandplatten und etwa 150 Figuren, Wappen und Girlanden. Sein Wert wird heute auf 250 Mio. DM geschätzt.

 

Fat 200 Jahre lang war dieser Schatz der Stolz der russischen Zaren und eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten des Schlosses.

Ein russischer Kunsthistoriker schreibt im Jahre 1912:

"Das Bernsteinzimmer ist ein wahres Wunder, nicht nur durch den großen Wert des Materials, der kunstvollen Schnitzerei und der Leichtigkeit der Figuren, sondern hauptsächlich durch den schönen, bald dunklen, bald hellen, aber immer warmen Ton des Bernsteins, der dem ganzen Zimmer einen unaussprechlichen Reiz verleiht."

 

Dann aber wurde die Ruhe dieses Kunstwerkes gestört - nämlich 1941, als die deutschen Truppen Leningrad belagerten und sich auch Zarskoje Selo näherten, das inzwischen in Puschkin umbenannt worden war. Dieses lag im Schußfeld der russischen Artillerie.

 

Um es vor der Vernichtung zu bewahren - eine andere Version sagt: um es als willkommene Beute zu nehmen - wurde das Bernsteinzimmer von deutschen Soldaten ausgebaut und nach Königsberg befördert.

 

Im Königsberger Schloß wurde es wieder aufgebaut und konnte dort auch besichtigt werden.

 

Aber schon 1944 mußte es wieder demontiert werden, weil es dort - vor allem durch Luftangriffe - zu stark gefährdet war.

Augenzeugenberichten nach soll sich das Bernsteinzimmer noch im April 1945 - in Kisten verpackt - in Königsberg befunden haben.

 

Von da an verliert sich jede Spur dieser einmaligen Schatzkammer.

Und seit jenen Tagen werden immer neue Theorien und Hypothesen über den Verbleib des Bernsteinzimmers aufgestellt.

- So behauptet die sowjetische Zeitung "Sowjetskaja Kultura", die Kisten hätten noch am 5. April 1945 im Schloß Wildenhoff bei Pr. Eylau gelagert, wohin viele Kunstwerke zur sicheren Aufbewahrung gebracht worden waren.

Diese Schloß brannte jedoch bereits am 17. Februar 1945 aus.

- 1967 machte der ehemalige Gauleiter von Ostpreußen, Erich Koch, der sich in Polen in lebenslanger Haft befand - und dort auch starb -, einem Warschauer Zeitungsreporter gegenüber die Mitteilung, daß das Bernsteinzimmer in Königsberg vergraben worden sei.

Nachforschungen an Ort und Stelle brachten jedoch kein Ergebnis.

- Eine weitere Theorie besagte, das Bernsteinzimmer hätte sich an Bord des Passagierschiffes "Wilhelm Gustloff" befunden, das Ende Januar 1945 mit 7000 Flüchtlingen an Bord in der Ostsee gesunken war.

Polnische Bergungsmannschaften fanden jedoch bei einer Untersuchung des Wracks durch Taucher keine Spur davon.

- Und dann gab es schließlich die Theorie von Georg Stein aus Stelle, der das Bernsteinzimmer in dem 660 m tiefen Schacht des ehemaligen Salzbergwerks Volpriehausen bei Uslar vermutete. Dorthin waren zahlreiche Kunstwerke aus ostpreußischen Sammlungen in Sicherheit gebracht worden, u.a. auch die Bernsteinsammlung der Universität Königsberg, die sich heute in der Göttinger Universität befindet.

 

Diese Theorie ist meines Wissens nie ernsthaft überprüft worden - was verschiedene Gründe hatte (ganz abgesehen davon, daß Georg Stein bei den entsprechenden Behörden durchaus nicht immer ein offenes Ohr fand).

. So ist das Bergwerk Volpriehausen nach einer Explosion im September 1945 "abgesoffen", wie es in der Bergwerkssprache heißt.

. Außerdem wurde von 1955 an die Hauptschachtanlage mit etwa 1000 Kubikmeter Bohrschlamm verfüllt. Dadurch wurde der Einstieg in einer Tiefe von 400 m pfropfartig verschlossen.

Die Kosten, hier nachzuforschen, waren offensichtlich allen interessierten Behörden zu hoch.

 

Die Suche nach dem Bernsteinzimmer - stellenweise liest sie sich wie eine Räuberpistole (oder um es moderner auszudrücken: wie ein Thriller).

 

Wird das Rätsel um das Bernsteinzimmer je gelöst werden? Oder wird sein Verbleib für immer ein Geheimnis bleiben?

 

In Rußland scheint man mit seinem Auftauchen jedenfalls nicht mehr zu rechnen. 1976 begann man dort mit der Rekonstruktion des Bernsteinzimmers. Einige Teile - z.B. auch eine wunderschöne Wandplatte - waren im Dezember in einer Ausstellung in Göttingen zu bewundern.

 

Die letzte Meldung über das Geheimnis des Bernsteinzimmers fand ich am 24.1.1992 unter dem Titel "Auch Kujau sucht das Bernsteinzimmer".

 

Konrad Kujau wird den meisten von Ihnen bekannt sein durch seine schon fast geniale - und unsere Medienlandschaft entlarvende - Fälschung der Hitlertagebücher. Und nun also hat auch er sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Bernsteinzimmer gemacht - in der Oberlausitz nämlich. (Dort ist Konrad Kujau übrigens geboren - in dem sächsischen Ort Löbau.)

 

Kujau stützt sich bei seinen Vermutungen auf die Tagebücher des Oberkomandos der Wehrmacht. <und warum sucht nun auch er nach dem Bernsteinzimmer?

Auch darüber gibt die dpa-Meldung vom 24.1.92 Auskunft:

"Ich mache das aus purem Spaß und Abenteuerlust. Warum soll ich zu Hause sitzen und Kaffee trinken?"

 

Seit jener Meldung ist über ein Jahr vergangen. Ich rief Konrad Kujau vor einigen Tagen an, um mich nach seinen Nachforschungen zu erkundigen:

Er ist der festen Überzeugung, daß das Bernsteinzimmer Anfang 1945 aus Königsberg abtransportiert wurde.

"Das geht aus den Tagebüchern des Oberkommandos eindeutig hervor - und zwar zur sog. 'Auffanglinie Ost'".

 

Leider - so vermutet Kujau - wird das Bernstein kaum im ganzen erhalten sein. Es wurde nämlich angenommen, daß die Kisten Tischlerleim enthielten - der ja so ähnlich aussieht wie Bernstein.

Und Kujau weiß auch von einem Schmied zu berichten, der sein Schmiedefeuer offensichtlich mit Bernsteinplatten beheizte - um darin die Hufeisen glühend zu machen, mit denen er die Russenpferde beschlug.

 

Daß ein Mann wie Konrad Kujau sich für ein so sensationsträchtiges Thema wie das Bernsteinzimmer interessiert, ist eigentlich nicht weiter erstaunlich.

 

Aber was bedeutet ihm der Bernstein selbst?

Dazu Konrad Kujau:

"Ich bin ja Maler. Wenn man den Bernstein in die Hand nimmt, ist das schon ein eigenes Gefühl. Übrigens - wenn man heute das elektrische Licht nimmt, hat man vielleicht gar nicht mehr die richtige Wirkung wie damals bei Kerzenlicht, als das Bernsteinzimmer wegen seines Goldglanzes als 8. Weltwunder galt."

 

Berlin und die Preußenkönige.

Zarskoje Selo und die Zaren.

Stationen des Bernsteinzimmers.

Nach seinem geheimnisvollen Verschwinden schließt sich ein anderer Kreis:

Ein 50 Mio. Jahre altes Material.

Ein Kunstwerk ohnegleichen, das spurlos verschwand.

Und ein kleiner Ort bei Hamburg, aus dem einer der engagiertesten Forscher auf diesem Gebiet kam.

 

Ich danke Ihnen, daß ich meine eigenen Überlegungen über den Bernstein und das Bernsteinzimmer gerade hier und heute vortragen konnte.

 

 

 

 

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5. Abteilung

BERNSTEIN ALS MÄRCHENSTUNDE

oder:

Dichtung und Wahrheit

 

Über den Ursprung des Bernsteins gibt es viele Sagen. Interessant ist es, daß der Bernstein dabei oft mit Tränen in Verbindung gebracht wird.

So in der wohl bekanntesten Überlieferung, die der römische Dichter Ovid uns hinterlassen hat:

Bei seinem Versuch, den Sonnenwagen allein über die Himmelsbahn zu lenken, verliert Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Hekios, die Gewalt über das feurige Gespann. Ihm gehen die Rosse durch, das Gespann berührt Himmel und Erde und zieht eine Spur von Feuer und Untergang hinter sich her. Um die Erde vor der Vernichtung zu bewahren, schleudert der Göttervater Jupiter seinen todbringenden Blitz. Der Jüngling Phaeton ertrinkt, fern der Heimat im Abendland - im gewaltigen Strom Eridmus, der irgendwo weit im Norden liegt. (Irgendwo weit im Norden - das Altertum setzt ihn mit Rhein, Rhone oder Po gleich!)

Phaetons Schwestern, die Heliaden beweinen sein Unglück und werden zur Strafe für ihr Mitgefühl in Pappeln verwandelt. Ihre Tränen jedoch werden zu goldenen Bernsteintränen verwandelt.

 

Ovid (S.39)

"Rinde verschloß die redenden Lippen.

Tränen noch fließen heraus und erstarren,

vom jungen Gezweige tropfend,

am sonnigen Strahl zu Bernstein, welchen der klare

Strom aufnimmt und sendet zum Schmuck

den lateinischen Frauen."

 

Ovid hat also durchaus schon gewußt, daß der Bernstein als Harz von den Bäumen tropfte.

 

Wie nahe Dichtung und Wahrheit sind, kann man auch aus dem Namen ablesen, den die verschiedenen Sprachen diesem Stein, der keiner ist, gegeben haben:

- So überliefert uns Tacitus das altgermanische Wort

GLAES

das sich auf die Durchsichtigkeit des Bernsteins bezieht und von dem ganz offensichtlich unser modernes Wort GLAS abgeleitet ist.

- Die leichte Brennbarkeit hat dem Material seinen deutschen Namen eingebracht, denn Bernstein heißt nichts anderes als Brennstein, abgeleitet vom niederdeutschen Verb "börnen" für brennen.

- Eine andere Eigenschaft des Bernsteins inspiriert offensichtlich die Griechen dazu, ihn

ELEKTRON

zu nennen. Die Griechen hatten nämlich bereits entdeckt, daß Bernstein beim Reiben negativ elektrisch und dadurch magnetisch wird.

- Die Römer gaben dem Bernstein den Namen

SUCCINUM

Saftstein, und wiesen damit schaon auf die Entstehung des Materials aus harzigem Baumsaft hin.

 

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6. Abteilung

BERNSTEIN ALS COMIC

oder:

Spinnen die Römer?

 

Mindestens einmal in jedem Comic sind sich Asterix und seine Gallier einig: "Die spinnen, die Römer!"

 

Das haben möglicherweise auch die Preußen gesagt, als die Römer ihnen für den Bernstein, der so üppig an der Samlandküste angeschwemmt wurde, Bezahlung anboten.

"Sie staunen über den Preis, den sie dafür bekommen", heißt es bei Tacitus.

Und Tacitus hat auch eine Erklärung dafür:

"Sie selbst haben für ihn keine Verwendung; roh wird er aufgelesen, unverarbeitet in den Handel gebracht - ja, er blieb sogar lange unbeachtet unter dem sonstigen Auswurf des Meeres liegen, bis ihm unsere Prunksucht Bedeutung verschafft hat."

 

Wie üppig die Römer in ihrem Verbrauch an Bernstein gewesen sind, geht hervor aus der überlieferten Geschichte von einem römischen Legionär, der zur Zeit Kaiser Neros an die baltische Küste gesendet wurde, um Bernstein für die Ausstattung eines Gladiatorenspiels zu holen. Er brachte solche Mengen mit, daß die Schutznetze, mit denen die wilden Tiere von den Sitzen der Zuschauer abgehalten wurden, mit Bernsteinwirbeln verknotet wurden und daß alle Waffen überreich mit Bernstein geschmückt werden konnten. Das größte Stück, das der Legionär mitbrachte, soll 13 Pfund gewogen haben.

Im Rom Neros (54 - 68 n. Chr.) färbte sich die weibliche High Society ihre Haare mit Bernsteinpulver, weil Neros Gattin Poppäa bernsteinfarbene Haare hatte und als Kaiserin Vorbild für die römische Damenwelt war. Schmuck und Trinkgefäße wurden in großer Zahl hergestellt. Plinius berichtete, daß die kleinste Bernsteinfigur höher bewertet wurde als ein Sklave.

Bernstein wurde auch als Räucherpulver verwendet und nicht zuletzt auch als Medikament.. Ob dabei mehr der Glaube half als die im Bernstein enthaltenen Wirkstoffe, ist heute noch nicht erforscht. Mir ist allerdings bekannt, daß die Homöopathie sich inzwischen sehr intensiv mit Bernstein-Präparaten beschäftigt und z.B. Salben gegen rheumatische Schmerzen daraus herstellt.

 

In der Antike standen Bernstein-Halsketten in dem Ruf, Drüsenschwellungen zu verhüten. Und bis ins Mittelalter hinein hielten ihn die Ärzte für wirksam gegen alle möglichen Erkrankungen. Noch Herzog Albrecht von Preußen schickte im 16. Jahrhundert Martin Luther ein großes Stück Bernstein als Mittel gegen seine Nierensteine mit dem Wunsch, der gute Stein möge die bösen Steine austreiben.

 

Kein Wunder also, daß sich schon in frühester Zeit der Bernstein mit einer für damalige Verhältnisse geradezu rasanten Schnelligkeit über den gesamten bekannten Erdkreis ausbreitete. Im Britischen Museum in London befinden sich assyrische Keilschriften, in denen "erzählt wird, daß die Assyrer im 10. Jahrhundert v. Chr. Karawanen ausschickten,

"um in den Meeren, wo der Polarstern im Zenit steht, Bernstein zu fischen".

 

In den Gräbern von Myhenä fand Heinrich Schliemann baltischen Bernstein. In der "Odyssee" wird er ebenfalls erwähnt.

 

Als unser römischer Legionär sich auf den Weg machte, um für Kaiser Neros Gladiatoren Bernstein zu beschaffen, war er also durchaus kein Pionier, sondern er konnte sich an Wege halten, die seit mindestens einem Jahrtausend schon von anderen gegangen worden waren - die sogenannten "Bernsteinstraßen".

 

Natürlich darf man sich unter diesen "Straßen" keine ausgetretenen oder womöglich sogar befestigten Wege vorstellen. Es waren eher allgemeine Handelsrichtungen.

 

Von diesen Fernhandelsstraßen durchquerten drei schon in vorchristlicher Zeit Europa von Norden nach Süden:

- Die eine nahm den geraden Weg vom Samland an die Adria zu der damals mächtigen See- und Handelsstadt Aquileja. Von hier aus wurde der Bernstein weiter nach Afrika und Asien gehandelt.

- Die zweite Straße verlief elbeaufwärts bis zur Saale und zur Donau und dann über den Brenner nach Venedig.

- Die dritte Straße schließlich führte über die Weser nach Paderborn und Duisburg, dann den Rhein aufwärts weiter nach Frankfurt und südlich durch die Burgundische Pforte (=ca. 30 km breite Senke im Bereich der Wasserscheide zwischen Rhein und Rhone) rhoneabwärts nach Marseille.

 

Eine handfeste Spur dieser alten Handelsstraßen tauchte übrigens vor etwa 100 Jahren - 1897 - auf. Da entdeckte der Bernsteinforscher Conwentz bei Elbing in Ostpreußen zwei 2000 Jahre alte Holzbrücken - eine davon immerhin 1230 Meter lang. Allerdings waren das eher befestigte Wegstrecken durch das Moor als echte Brücken - aber sie waren eindeutig Teil einer Bernsteinstraße.

 

Aber - wie gesagt - man darf sich diese Straßen nicht als gebaute Wege vorstellen. Die Handelskarawanen waren monatelang unterwegs durch kaum besiedelte Gebiete. Man kann sich vorstellen, welch eine abenteuerliche Reise das gewesen sein muß - durch die dichten Urwälder jener Zeit, in denen man immer auf wilde Tiere gefaßt sein mußte und nicht selten auch auf die Überfälle mißtrauischer Eingeborener.

 

Auf jeden Fall wäre Idefix in diesen Wäldern auf seine Kosten gekommen. Und es hätte sich sicherlich auch so manches Wildschwein für Obelix gefunden. Vielleicht wird uns Monsieur Albert Uderzo ja eines Tages tatsächlich noch einen Comic bescheren mit dem Titel "Asterix im Bernsteinland"?

 


 

 

 

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